Praktikum in Chamonix

Datum: Mon, 20 Aug 2007 21:21:57 +0200
Von: Justin Krakenbürger <...@gmx.de >
An: <info@bsa-ang.de >
Betreff: Praktikum in Chamonix-Justin Krakenbürger 
  
Chamonix, d. 20. August 07

Sehr geehrte Dozenten der Berufsfachschule Angermünde,

wie versprochen erhalten Sie von mir einen Erfahrungsbericht aus meinem Praktikum, welches ich gerade in Chamonix - Mont Blanc absolviere. Leider habe ich gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit hier vergangen ist und deswegen erhalten Sie meinen Bericht ein bisschen später. Nichts desto trotz kann ich Ihnen allen sagen, dass ich hier eine sehr schöne Zeit verbringe. Dies ist sicherlich nicht nur zurückzuführen auf die vielen Erlebnisse und Eindrücke, die ich hier bereits gesammelt habe, sondern auch auf die tolle und sehr anstrengende Arbeit als Praktikant in einem Fremdenverkehrsbüro, welches Chamonix nach außen für die Weltöffentlichkeit hin präsentiert, diesen unglaublichen Ort zur alpinen Weltstadt macht und Touristen aus aller Welt anlockt. Dazu gehören Japaner, Inder, Araber, Amerikaner, Australier, Russen und Polen...

Grund für diesen zur touristischen Weltspitze gehörenden Status ist sicherlich die angrenzende Lage zur Schweiz und Italien und natürlich der Mont Blanc, welcher mit der Seilbahn direkt zu erreichen ist von Chamonix. Chamonix selbst ist ein kosmopolitischer Ort, der weltbekannt ist und selbst die reichsten Japaner hierher lockt. Grund ist sicherlich der Aquillte de Midi, der am höchsten begehbare Punkt, der mit der Seilbahn zu erreichen ist. Innerhalb von 30 Minuten wird man hier auf fast 4000 Meter hoch gepuscht.

Einfach unglaublich...abgesehen davon kann man hier viel wandern und die Landschaft ist sehr schön. Die Arbeit hier ist sicherlich kein Zuckerschlecken, denn ich muss hier viel arbeiten. Aber vor allem ist der direkte Kontakt mit Touristen, darunter die meisten Franzosen, sehr anstrengend, wenn man Französisch noch nicht so perfekt spricht und die erhöhte Sprechgeschwindigkeit noch nicht gewöhnt ist.

Aber mittlerweile habe ich keine Probleme mehr und man lernt hier sehr schnell sprechen, vor allem kann man die Englischkenntnisse aufgrund der vielen Engländer, die hier eintreffen, auffrischen und natürlich die Polnischkenntnisse verbessern, weil hier auch sehr viele Polen sind. Mittlerweile sitze ich an einem von 10 Schaltern (das Büro ist sehr groß) und versorge die Touristen mit allen notwendigen Informationen zu Chamonix und Umgebung in Französisch, Deutsch, Englisch und Polnisch, des öfteren muss ich auch andere Dinge erledigen, wie die Stühle morgens aufstellen und Broschüren auffüllen, den Spezialisten spielen für die deutschen Touristen, Probleme klären, nach Informationen suchen, und auch außerhalb des Büros meine Aufgaben erledigen und Kurier spielen.

Eigentlich hat das Praktikum nicht so viel zu tun mit dem, was ich eigentlich in der Ausbildung gelernt habe, aber was zählt ist, dass ich die französische Sprache hier im Schnelldurchlauf erlerne durch direkten Kontakt mit den Touristen, davon abgesehen noch andere Sprachen.

Als Fremdsprachenassistent kann man hier sicherlich auch eingesetzt werden, vor allem, wenn man mehrere Sprachen sprechen kann. Aber mit Buchhaltung und Textverarbeitung hat das hier wenig zu tun, ist sicherlich aber nicht so schlimm, da es mir in erster Linie um die französische Sprache geht.

Am Wochenende geh ich hier viel wandern oder mache auch mal Abstecher nach Marseille oder Lyon, oder ins Ausland nach Italien nach Mailand, Turin oder in die Schweiz nach Martigny, Zermatt, Zürich oder Genf...

Grundsätzlich möchte ich bemerken, dass an Ihrer Schule gute Arbeit geleistet wird. In einer Region, wo die Arbeitslosenquote hoch ist und Ausbildungsplätze rar sind, wird hier versucht, ein angemessenes Ausbildungsprogramm gegen Entgelt durchzuführen. Dazu gehören Trainerscheine und Praktika im Ausland, die so gut wie kostenlos sind. Davon konnte ich nur profitieren in meiner Ausbildung. Somit habe ich bereits ein begehrtes Profil erworben, das durch Flexibilität und Auslandserfahrungen besticht. Ein Profil, das andere erstmal erwerben müssen im Studium...wodurch ich natürlich wiederum Vorteile habe.

Die Ausbildung hat für mich gute Vorraussetzungen fürs Studium geschaffen, weil ich schon mal wirtschaftliche Kenntnisse mit reinbringe. Bereits vor dem Studium bin ich in der Lage, 4 Sprachen zu sprechen, davon 3 fließend. In der polnischen Sprache habe ich mittlere Kenntnisse. In meinem Studium "International Business" werde ich zusätzlich noch Chinesisch oder Japanisch oder Russisch lernen und die Französischkenntnisse noch weiter verbessern. Ich merke, dass ich eine sehr gute Arbeitshaltung gewonnen habe. Dies ist vor allem in meiner Position sehr wichtig, da man als Praktikant meist doppelte Arbeit verrichten muss. Zurückzuführen ist dies sicherlich auf das Lernbüro, wo man bereits praktische Erfahrungen in Stress-Situationen erlernt, zumal man sich hier permanent in einer Stress-Situation befindet.

Ich muss zwar sagen, dass man sich durch die Ausbildung beißen muss, aber man danach immens entlohnt wird, denn das Profil, welches man als Fremdsprachenassistent erwirbt - mit Wirtschaftsenglisch und den Auslandspraktika - ist sicherlich sehr begehrt. Dies zahlt sich spätestens aus, wenn man International Business studieren will an einer der begehrtesten Universtitäten in Deutschland. Die Prüfer in den Aufnahmeprüfungen achten sehr auf internationale Erfahrungen. Ich habe übrigens einen Studienplatz in einem sehr renommierten internationalen Studiengang erhalten. In einer Fremdsprachenklasse mit unterschiedlichen Nationen, die recht klein ist, gibt es natürlich Probleme, denen man sich stellen muss, aber da es sicherlich später im Berufsleben nicht anderes ist und man immer Probleme haben wird und man sich die Leute auch nicht aussuchen kann, ist dies sicherlich eine sehr gute Vorbereitung. Die schönen Zeiten sind halt irgendwann vorbei.

Die Zeit in Angermünde war sehr lehrreich für mich und wird mich für mein ganzes Leben prägen. Vor allem möchte ich mich bei Herrn Fritsche bedanken, der mich auf der Messe angesprochen hat. Aufgrund seiner Beratung habe ich die Ausbildung begonnen und erfolgreich absolviert. Ein besonderes Dankeschön an Herrn Köhn und Herrn Hansch, die mir das Praktikum erst ermöglicht haben. Davon abgesehen, möchte ich mich auf bei allen anderen Lehrern bedanken, die mir die Zeit angenehm gemacht haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr ehemaliger Azubi

Justin Krakenbürger

BSA intern