Ein zweiter Gruß aus der Südsee

Datum: Wed, 28 Nov 2007 11:51:32+0100
Von: "Stine Benick" xxx@gmail.com
An: info@bsa-ang.de
Betreff: Ein zweiter Gruss aus der Suedsee

Hallo an alle wieder aus der Ferne...

Ja, ich bin noch am Leben...so leicht lass ich mich nicht ueberfahren!

Inzwischen sind 3 Monate rum (wer hat da an der Uhr gedreht??) und abschliessend bleibt mir nur zu sagen:

Danke BSA, dass ihr mich hierher gelassen habt. All die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe (sowohl privat als auch...naja, geschaeftlich?) sind Erfahrungen fuers Leben. Solche Ausfluege vergisst man sicher nie und ich bin ganz schrecklich dankbar, dass ich hier sein durfte!

Der verlaengerte Sommer bringt zwar meinen Biorhythmus (Frau Amende...bitte Rechtschreibung ueberpruefen) ein wenig durcheinander, aber weil ich in 2 Tagen ja die Heimreise antrete, wird sich das schon wieder einpegeln.

Nun bin ich momentan ganz hin und her gerissen ob ich mich freuen soll oder lieber Truebsal blasen, weil ich ins graue, kalte Deutschland zurueck muss. Immerhin lasse ich ein paar gute Freunde hier zurueck, auch eine tolle Gastfamilie und natuerlich verpasse ich noch jede Menge sonnige Tage.

Allerdings ist die Heimat ja doch die Heimat und ich gebe zu, ich bin ganz froh, dass ich wieder zurueck kann. Verkehrsregeln, Mistwetter, Umweltbewusstsein, natuerlich Familie und Freunde...ich komme!!

Also, liebe BSA-Besatzung,
Vielen Dank fuer Alles und sonnige Gruesse!!

Stine

Grüße aus dem Süden

From: "Stine Benick" <***@gmail.com>
To: info@bsa-ang.de
Sent: Fri, 14 Sep 2007 12:37:28 +0200
Subject: Erste Gruesse aus dem Sueden

 

Hallo an alle, oder 'bongu', wie man hier sagt! 

Also morgen sind die ersten zwei Wochen auf Malta schon rum und ich hab den Eindruck, als verginge die Zeit hier viel schneller als in Deutschland. Ausserdem passiert hier auch viel mehr....und ich weiss garnicht wie ich die vielen Eindruecke, die mich hier vom ersten Tag an heimsuchten, verarbeiten soll. Das ist zuviel, hier ist ja wirklich alles anders (ausser die Sterne). 

Am allerschlimmsten ist der Verkehr. Es scheint so, als waere die einzige Regel die linke Strassenseite zu benutzen...und wenns man doch nicht macht, naja, dann stoert das auch niemanden. Blinken braucht man nicht... Und man braucht auch nicht nach links und rechts zu gucken, wenn man ueber eine Kreuzung ohne Ampel faehrt...die anderen haben ja Bremsen. Und man kann waehrend man faehrt drei Telefone gleichzeitig bedienen, nebenbei die Strasse beobachten und in regelmaessigen Abstaenden die Hupe druecken, weil einer nicht nach links und rechts geschaut hat.....
Und an Stellen, an denen die (sehr holprigen) Strassen enger als 3 Meter sind passen immer noch 5, 6 oder auch 20 Fussgaenger zwischen 2 Autos. Wie das funktioniert...? Tja, ich weiss es auch nicht. Das sind Magier, die Malteser.

Und waehrend ich mich bei jeder Autofahrt an allem festkralle was mir in die Finger kommt und mich schon vor Gevatter Tod stehen sehe, nehmen die voellig unbesorgt und unbeeindruckt jeden knapp verfehlten Unfall hin...unnormal. 

Auch sehr gewoehnungsbeduerftig: das Wetter. Seit ich hier bin habe ich keinen Tag ohne Sonne & unter 24 Grad erlebt (nicht, dass das schlecht waere). Am schlimmsten wars am 1.September, als ich herkam. Steige in Deutschland bei 15 Grad mit Pullover und Jacke ins Flugzeug, steig in Malta aus und wir habens 34 Grad...dumm gelaufen. Aber mittlerweile hab ich alle Pullis in die unterste Schublade vom Schrank verbannt. Die werden bis zum 30. November bestimmt kein Tageslicht mehr sehen. 

So, weiter gehts mit der Vegetation...wenn man von Vegetation ueberhaupt sprechen kann. Also daran kann ich mich beim besten Willen nicht gewoehnen. Es gibt tatsaechlich keinen Rasen hier...nur vereinzelt in der Mitte von Kreisverkehren (kein schoener Platz zum rumsitzen). Naja und der Rest der maltesischen Flora besteht aus Kakteen, groesstenteils vertrockneten Straeuchern und Baeumen und der ein oder anderen Blume. 

Dann musste ich mich an die mediterrane Mentalitaet und Kultur der Malteser gewoehnen. Das sind das ganz nette, aufgeschlossene Leute. Sie feiern viel (hauptsaechlich Namenstage ihrer katholischen Heiligen (97% sind hier katholisch)), essen viel, sind gelassen, lustig, trinken viel Wein und reden gern und viel. Ich fuehl mich recht gut aufgenommen, sowohl von meiner Gast-familie, als auch von jedem, den ich so treffe. Das hilft zumindest ein bisschen gegen Heimweh. 

Nun noch zur Arbeit:
Ich bin wirklich erstaunt, dass ich mich bisher  nicht langweile. Ich dachte ich wuesste ueberhaupt nicht, was ich hier machen koennte, aber komischerweise gibt es immer irgendwas zu tun. So hab ich bis jetzt an ziemlich viele Schulen aus der Uckermark geschrieben, ob sie nicht an einer Partnerschaft mit einer maltesischen Schule interessiert sind (eine hat Interesse) (wie siehts mit unserer Schule aus?), ich habe Listen von Unternehmen aus Uckermark und Malta erstellt, habe mich mit der maltesischen Handelskammer in Verbindung gesetzt, mich ueber Foerderprojekte in Sachen Solarenergie schlau gemacht (hier ist soviel ungenutzte Sonne....sie sagen, Solaranlagen seien zu teuer), habe eine Praesentation ueber die Uckermark erstellt, die ich in einigen maltesischen Schulen vorstellen will, habe ein bisschen maltesisch gelernt.... Also wenn das nichts ist. Und wenn es so weiter geht, dann halte ich es vielleicht sogar noch laenger als drei Monate aus. Ich haenge ein paar Fotos dran. 

Sonnige Gruesse ins, wie ich hoerte, verregnete Angermuende... Und hoffentlich gibts eine Antwort, das waer nett! 

Stine

BSA intern